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Genießergespräch mit James Gilliam

An einem kalten Novembertag habe ich den überaus sympathischen James Gilliam in seiner Werkstatt im Raum Stuttgart besucht und einen tollen, für mich lehrreichen und vor allem wahnsinnig entspannten Nachmittag mit ihm verbringen dürfen. Unter anderem hat er über sich und über seinen Werdegang als Pfeifenmacher gesprochen, die Kunst des Pfeifenmachens erläutert und auch direkt am Werkstück vorgeführt.

Genießergespräch mit James Gilliam

Geführt im November 2013, von Steffen Dressler

Persönliches

Bitte verrate uns ein bisschen was über Dich!
Ich bin in West Texas, USA, aufgewachsen. 20 Jahre lang bin ich als Funker in der US Navy zur See gefahren, und habe die ganze Welt bereist. Aktuell arbeite ich als IT Spezialist für Datensicherheit. Seit 25 Jahren bin ich glücklich verheiratet.

Bist Du selbst Pfeifenraucher?
Ja sicher, seit 1990!

Was sind Deine Lieblingstabake?
Virginia ist meine favorisierte Tabaksorte, gerne manchmal mit etwas Latakia gemischt. Ich bevorzuge gar nicht oder wenig aromatisierte Mischungen, Plugs und Flakes. Natürlich genieße ich gerne US Sorten, aber auch europäische Sorten wie Samuel Gawith Full Virginia Plug und Rattray’s.

James Gilliam Werkstattpfeifen
James‘ Lieblingspfeifen

…Und Lieblingspfeifen?
Meine Alltags-Lieblingsstücke sind einige selbstgemachte Werkstattpfeifen. Jeweils nicht ganz perfekt, aber unheimlich gut rauchbar. Man muss bei diesen Stücken nicht so aufpassen, dass etwas kaputtgeht. Die kann man gut auch in der Werkstatt mal schnell irgendwo ablegen.

Wie und wann kamst Du auf die Idee eine eigene Pfeife zu bauen?
Ich habe Abwechslung gesucht vom hektischen Berufsalltag eines IT Spezialisten. Ende 2009 begann ich damit, meine auf See stark beanspruchten Pfeifen zu restaurieren. Du musst wissen, auf einem Schiff weht ständig ein leichter Wind, das Rauchen wird dadurch beschleunigt, und man muss schon etwas auf seine Pfeifen aufpassen. Das Restaurieren hat jedenfalls gut geklappt, und hat mir viel Spaß gemacht. Sehr bald bin ich dann auf die Idee gekommen, eigene neue Pfeifen zu machen.

Arbeit an der Drehbank zur Entspannung vom hektischen Arbeitsalltag

Was hat Dir daran so gut gefallen, das es nicht beim Restaurieren geblieben ist und Du auch bald den Verkauf selbst gemachter Pfeifen gestartet hast?
Das Herstellen von Freehand-Pfeifen hat mir noch mehr Spaß gemacht als das Restaurieren gebrauchter Pfeifen. Zudem hat meine Mutter schon meine ersten selbstgemachten Exemplare sehr gelobt! (lacht) Die Idee den Verkauf zu starten war naheliegend: Damit wurde aus dem Pfeifenbau ein schönes Hobby, was sich selbst finanziert!

Welche Serienpfeifen gefallen Dir besonders gut und welche überhaupt nicht?
Gut gefallen und deshalb gekauft habe ich einige Peterson aus den 80er Jahren, ebenso ein paar Vauen sind vorhanden. Zudem gefallen mir typisch dänische Stanwell Shapes mit Bambusholm sehr gut. Meine Sammlung besteht übrigens aus etwa 40 Pfeifen, davon 20 selbst gemachte.

Wie geht Dein Umfeld mit Deinem nicht ganz alltäglichen Hobby um?
Entspannt…

Der Pfeifenmacher

Hast Du bei bekannten Pfeifenmachern “über die Schulter schauen dürfen”?
Ja, ich habe von einigen Pfeifenmachern Tipps bekommen, und habe dabei viel lernen können. Sehr positiv dabei war die Offenheit, mit der mir wirklich tolle Pfeifenmacher begegnet sind.

DSC_5546Wie kommst Du auf Deine Ideen für die Pfeifen?
Wenn ich Langeweile habe und die Gelegenheit es zulässt, male ich Pfeifen-Entwürfe. Die Ideen kommen entweder direkt aus meinem Kopf. Oder ich werde inspiriert von anderen Pfeifen. Dann frage ich mich: Kann ich das auch machen? Wie würde meine Interpretation dieser Pfeife aussehen? Die endgültige Form entsteht dann aber beim Machen. Viel hängt vom jeweiligen Holz ab: Was kann ich aus dem Holz machen? Wie kann die Maserung am besten zur Geltung kommen?

Hast Du besondere Vorbilder unter den Pfeifenmachern?
Unter anderem Tyler Beard, Ernie Markle, Cornelius Mänz, Reiner Thilo, Ken Diederichs, Chris Askwith

Wieviele Pfeifen fertigst Du in etwa im Jahr?
30-40. Insgesamt habe ich bislang ca. 160 Pfeifen geschnitzt.

Wieviele Arbeitsstunden investierst Du etwa in eine Pfeife?
Durchschnittlich vielleicht 10 Stunden, aber das hängt stark vom Modell ab

Hast Du das Ziel, hauptberuflich Pfeifenmacher zu werden? Was müsste dafür passieren?
Ja, es wäre toll, von einer so schönen Tätigkeit leben zu können. Was dafür passieren müsste… Ich müsste berühmt werden! (lacht)

Gibt es spezielle Pfeifenformen, die Du bevorzugst?

James fertigt gerne Pfeifen mit Bambusholmen
James fertigt gerne Pfeifen mit Bambusholmen


Egg, Blowfish, Billard …und welche, die Du gar nicht magst? Sehr schwer zu machen sind Zulu und Rhodesian

Hast Du ein Grading für Deine Pfeifen und wenn ja – welches?
Nein, ich habe kein Grading.

In welcher Preisspanne liegen Deine Pfeifen?
Akuell liegen meine Pfeifen bei 220-260 EUR. Der Preis hängt vor allem vom Finish ab: Glatte Pfeifen liegen bei 240-260 EUR, rustizierte oder sandgestrahlte bei 220 EUR. Wichtig ist mir zu betonen: Die handwerkliche Qualität ist bei allen Pfeifen gleich!

Wie würdest Du Deine Entwicklung beschreiben? Was unterscheidet Deine ersten Pfeifen von den zuletzt gefertigten?
Die Unterschiede liegen in den Details. Mundstücke werden immer filigraner, das Zugloch ist nun mittig (lacht)…

Inwiefern profitiert ein Käufer von der Erfahrung des Pfeifenmachers?
Der Kunde bekommt immer bessere Pfeifen, siehe Frage vorher. Auch der umgekehrte Weg ist mir wichtig, also Feedback vom Kunden zu erhalten. Oder auch von anderen Pfeifenmachern. Das hilft mir, meine Arbeit weiter zu verbessern.

Das Material

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Bruyère aus Italien und Mooreiche werden zu Pfeifenköpfen verarbeitet

Woher beziehst Du Dein Holz? Auf was achtest Du besonders?
Bruyèreholz beziehe ich von Mimo aus Italien, Ebonitstangen von SEM und NYH.

Das Holz muss richtig gelagert und vorbearbeitet sein. Dafür müssen aus dem Holz alle Harze und Tannine richtig ausgekocht werden, und danach 6-12 Monate getrocknet werden. Dann dürfen die Klötze keine sichtbaren Risse aufweisen, und sie müssen richtig gut geschnitten sein. Meiner Erfahrung nach spielt die ursprüngliche Herkunft des Holzes keine so große Rolle.

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Mundstücke werden aus Ebonit-Stangen handgefertigt

Aus welchem Material fertigst Du die Mundstücke?
Die meisten Mundstücke fertige ich aus runden Ebonitstangen an, in schwarz, braun, marmoriert als Cumberland. Auch andere Farben oder Materialien wie Backelit und Elforin sind möglich. Meine Kunden haben eine große Auswahl! Die Mundstücke sind 100% handgemacht. Einzige Ausnahme sind die besonders langen Churchwardens, da nutze ich vorgefertigte Mundstücke. Das ist dann aber klar ausgezeichnet.

Wie stehst Du zu Applikationen?
Finde ich sehr schön! Viele meiner Pfeifen tragen exakt eingearbeitete Ringe aus vielen verschiedenen Materialien. Ich nutze unter anderem Elfenbein (legal 1972 gekauft!), Mammutelfenbein, Rinderhorn, Buchsbaum, Elbenholz, Ahorn, Palmholz. Siehe Fotos. Auch bei den Applikationen können meine Kunden aus einer großen Bandbreite wählen.

Mammutelfenbein als Material für Ringapplikationen
Mammutelfenbein als Material für Ringapplikationen

Bevorzugst Du ein bestimmtes Finish oder schließt Du evtl. bestimmte Techniken aus?
Viele meiner Pfeifen sind glatt poliert, und zwar auf ganz herkömmliche Art: Schleifen, Beizen, Schleifen, Beizen, Schleifen, Beizen, usw. (lacht). Danach das Finish mit Danish Oil und Carnaubawachs. Je nach Holz rustiziere ich einige Pfeifen, ich nenns ’speckled‘. Dabei schleife ich nach dem Rustizieren noch einmal etwas nach, wodurch die Oberfläche besonders angenehm in der Hand liegt. Ab und zu werden Pfeifen auch sandgestrahlt – das macht Hajo Ziglowski für mich.

Abschlussfragen

Kannst Du schon etwas zu kommenden Projekten sagen?
Aktuell experimentiere ich mit Magnet-Pfeifenständern. In ein schönes Holzbrett werden Magnete unsichtbar eingearbeitet. In den Pfeifenkopf wird eine Metallkugel gegeben, die von den Magneten im Holzbrett angezogen werden. Dadurch wird die Pfeife sanft am Holzbrett fixiert, völlig ohne sichtbare Halter.

In Kürze wird außerdem mein Maschinenparks erweitert: Ein Frequenzwandler zum Absenken der Drehzahl einer Schleifmaschine ist bereits bestellt.

Was möchtest Du Jemandem sagen, der sich an seinen ersten Eigenbau wagen will?DSC_5542
Viel lesen! Z.B. im Pipe Makers Forum, wenn man Englisch lesen kann. Oder das Kunstportal auf Deutsch. Die beiden Webseiten enthalten so viele Infos zum Pfeifenbau. Das hilft Dir, Erfahrungen anderer zu nutzen, und Du musst nicht alles für Dich neu ‚erfinden‘. Z.B. welche Hölzer geeignet sind, welche Verfahren gut funktionieren. Zu Beginn muss man nur wenig in Maschinen investieren. Du kannst fast alles mit einem gebrauchten Tischbohrer machen! Pfeifenmachern über die Schultern schauen ist ebenso eine gute Idee, viele Macher haben nichts dagegen, und nichts oder wenig zu verbergen! Und beginne mit einfachen Sachen, lass die Blowfish liegen, und versuche lieber eine Dublin! (lacht)

Was wäre Dein “Pfeifentraum”?
Eine gut rauchbare Pfeife, mit bequemem Mundstück. Eine wunderschöne, gebogene Danish Egg Form…

 

Aktuell in der Pfeifen Galerie

James bietet aktuell verfügbare Pfeifen in seinem Verkaufsraum an:

http://pfeifen-galerie.de/james-gilliam/

 

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Dieses Interview wird in Kürze ebenso im Rahmen der „Genießer-Gespräche“ im Forum der Pfeifengenießer (http://www.pfeifengeniesser.de/ ) veröffentlicht werden.

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